Naturschutz

Der Verbandsnaturschutzwart des Wanderverbandes Norddeutschland e.V., Bruno Rhades, kritisiert den Niedersächsischen Minister für Umwelt und Klimaschutz, Hans Heinrich Sander (FDP) wegen Landschaftsverbrauch; auch appellierte er in der Vertreterversammlung der 14 Wandervereine am 23. April 2010 in Hamburg an die Schleswig-Holsteinische Ministerin für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Dr. Juliane Rumpf (CDU), sich der Zersiedelung und Zerstörung von Erholungsräumen nach dem Landesentwicklungsplan zu widersetzen. Der aktive Wanderer Bruno Rhades wirkt an einem Positionspapier des Deutschen Wanderverbandes über die Bedeutung der Naturparke mit.

Natur- und Landschaftschutz gehört zu unseren satzungsmäßigen Aufgaben. Gemeinsam mit unseren Mitgliedsvereinen haben wir wieder zahlreiche Stellungen bezogen (Niedersächsisches Landesnaturschutzgesetz § 60 a Mitwirkung von Verbänden). Überwiegend betrifft es sogenannte privilegierte Bauvorhaben außerhalb geschlossener Ortschaften. Bedenklich ist die staatliche Förderung und Privilegierung sogenannter Klimaschutzmaßnahmen wie Windgewerbegebiete, Biogasindustrieanlagen mit nachfolgend zunehmender Vermaisung der Feldmarken.

Unabhängig von einer Stellungnahme ist es unsere Aufgabe stets genau den Standort und seine Umgebung zu überprüfen, ob Schutzgebiete in der Nähe sind, oder ob die Baumaßnahme in einer Gegend stattfindet, die für uns Wanderer als Erholungsbiet besondere Aufmerksamkeit verlangt. Leider ist die generelle Tendenz zur Industriealisierung der Landwirtschaft ungebremst – mit allen negativen Auswirkungen für den Landschaftsverbrauch. Förderer dieser Tendenz ist auch der Umweltminister Sander selbst, der oft hart am Rande der Legalitäte Hähnchen-Mastanlagen in Waldgebieten durchgesetzt hat. Von einem Auftrag zur Landschaftspflege der Kulturlandschaft durch die Landwirtschaft ist unter diesen Umständen keine Rede mehr. Im Zuge der Föderalismusreform hat Niedersachsen durch ein neues Landesnaturschutzgesetz die bisherigen Umweltstandards wieder abgebaut. Dieses bedeutet konkret, dass wir in Zukunft weniger Vorgänge zur Beteiligung bekommen. Außerdem wurde die Bearbeitungsfrist halbiert, was gerade unsere ehrenamtliche Tätigkeit erschwert. Bürgerbeteiligung für den Naturschutz ist offensichtlich nicht vorgesehen!

Sehr wichtig für unsere Arbeit war, dass wir über die Fortschreibung des Regionalen Raumordnungsprogramms für den Landkreis Lüneburg informiert wurden. Hier ging es auch um die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten und dem Ausbau von Rad- und Wanderwegen. Gemeint waren aber wie immer ausschließlich Radwanderwege und keine fußfreundliche naturbelassene Wanderwege. Darauf habe ich in diesem Zusammenhang hingewiesen und unsere Einwände beim Landratsamt vorgebracht.

Große Probleme für den Naturschutz werden alsbald in Schleswig-Holstein entstehen. Ich habe an die Landwirtschafts- und Umweltministerin appelliert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und dem neuen Landesentwicklungsplan dort entgegenzuwirken, wo die Zersiedelung und Zerstörung der Erholungsräume geplant ist.

Die Zusammenarbeit mit dem Landesverbande Niedersachsen und dem Deutschen Wanderverband haben wir intensiviert. Auf der Jahrestagung des Deutschen Wanderverbandes wurde ich damit betraut, ein Positionspapier über die Bedeutung der Naturparke mit zu entwickeln. Wir wollen über unseren norddeutschen Tellerrad hinausschauen, was für die Einflussmöglichkeiten der Wanderer unerlässlich ist. Wir sind es der wanderden Bevölkerung schuldig, Erholungslandschaften zu schützen. Aktivitäten im Naturschutz sind nicht „Anhängsel" unsere Satzung nach dem Motto: „ neben dem Wandern kümmern wir uns auch ein wenig um den Naturschutz". Nein umgekehrt! Weil wir wandern wollen müssen wir uns um den Naturschutz kümmern.

Bruno Rhades

Verbandsnaturschutzwart